Liebe, Logik und Linguistik
Der Punk unter den Philosophen
Andreas Thiel (geboren 1971 in Bern), Philosoph und Künstler, wurde mit seinen Politsatiren bekannt, mit welchen er von 1997 bis 2017 auf Bühnen von Bern bis Bangkok gastierte und für die er mit Kunstpreisen überschüttet wurde. Von 1988 bis 1992 absolvierte Andreas Thiel eine Lehre als Technischer Zeichner. Seine anschliessende Theaterausbildung genoss er bei Desmond Jones in London, Stimmbildung und Sprecherziehung bei Anneliese Fackler in Zürich und Unterweisungen in Poetik und Philosophie bei Christof Stählin in Friedberg.
Sein erstes Programm führte er ab 1997 zusammen mit dem Pianisten Jean Claude Sassine unter dem Titel Einsames Literarisches Kabarett auf. Die nächsten 20 Jahre verbrachte er mit diversen Bühnenproduktionen auf Tournee und wurde unter anderem mit dem Salzburger Stier (1999), dem Schweizer Klein-Kunst-Preis (2004), dem Prix Walo (2005), dem Schweizer Kabarett-Preis Cornichon (2008) und dem Deutschen Kabarettpreis (2013) geehrt.
Andreas Thiel war Mitbegründer und Gastgeber des legendären Bösen Montags im Theater am Hechtplatz in Zürich und des Literarischen Labors Tintensaufen in Bern. Er war jahrelang Kolumnist des Nebelspalters, der Berner Zeitung, der Sonntagszeitung und der Weltwoche und verfasste zahlreiche philosophische Essays u.a. für das NZZ Feuilleton und das traditionsreiche liberale Debattenmagazin Schweizer Monat. Seine philosophische Sonntagabendreihe Yoyogaga für den in Steckborn beheimateten Dreiländersender Kontrafunk umfasste über 100 Sendungen. Seit Oktober 2025 moderiert er auf Kontrafunk wöchentlich ein offenes Mikrofon, wieder unter dem Titel Böser Montag. Anfang 2025 kam sein erster Spielfilm Kalbermatten – Wer frei ist, ist selber schuld in die schweizer Kinos, den er zusammen mit dem Basler Rechtsphilosophen Prof. Dr. David Dürr produzierte. Die Dreharbeiten für den zweiten Film sind bereits angelaufen; dieser wird voraussichtlich 2027 in die schweizer Kinos kommen. Mit den über 700m2 umfassenden Kalbermatten Filmstudios baut das ungleiche Gespann in Regensdorf gerade die eigenen Filmstudios auf.
Nebenbei hält Andreas Thiel seit 20 Jahren phänomenale Vorträge, bei welchen es Philosophieprofessoren schwarz vor Augen wird und Theologieprofessoren ein Licht aufgeht, und die mittlerweile zur 24-teiligen Reihe Liebe, Logik und Linguistik angewachsen sind.
Palmarès:
1999 Salzburger Stier
2003 Schweizer Kleinkunstpreis
2005 Prix Walo (Show Szene Schweiz)
2005 Prix Pantheon (D-Bonn)
2006 Humorfüller (Arosa Humorfestival)
2008 Prix Cornichon (Oltner Kabaretttage)
2009 Swiss Liberal Award
2013 Deutscher Kabarettpreis (D-Nürnberg)
2014 Schweizer Preis der Freiheit
2024 Freiheitspreis der Schweiz
Liebe, Logik und Linguistik
Eine philosophische Vortragsreihe von und mit Andreas Thiel
Andreas Thiel ist der Künstler unter den Intellektuellen und der Punk unter den Philosophen. Befreit von den akademischen Glaubenssätzen der Moderne betreten wir mit ihm die Ruinen jahrtausendealter Literatur. Mit seinem erstaunlichen Talent, Bücher zum Leben zu erwecken, lässt er die prachtvollen antiken Tempel der Erkenntnis wiederauferstehen.
1. Genesis – Ein göttlicher Prolog zur Menschheitsgeschichte
Was ist der Mensch? Diese Frage treibt Philosophen der Neuzeit in den Wahnsinn. Demgegenüber erschöpft sich die Philosophie der Antike nicht in der Frage, sondern sie findet Antworten. Eine der verblüffendsten Schriften, die schon von den alten Griechen reflektiert wurde, ist der Prolog zum Alten Testament, die «Genesis». Darin erhält der Mensch einen göttlichen Auftrag: „Macht euch die Erde untertan.“ Dieser Satz ist der Schlüssel zum Verständnis der Menschheitsgeschichte. Eine linguistische Analyse des Schöpfungsberichts stellt diesen Satz allerdings auf den Kopf.
2. Exodus – Die Freiheit in 10 Gebote gemeisselt
Fichte verwechselte Freiheit mit Willkür. Dabei hatte bereits Rousseau erkannt, dass Freiheit mit Gesetzen zu tun hat. Auf welchen Gesetzen die Freiheit beruht, blieb jedoch auch ihm verschlossen. Der Schlüssel liegt im zweiten Buch Mose. Mit seiner dramenanalytischen Betrachtung des «Exodus» entfacht Thiel ein philosophisches Feuerwerk epischen Ausmasses über Gott, den Staat und die Freiheit. Stürzen Sie sich mit Andreas Thiel in ein Denkabenteuer mit spektakulärem Ausgang.
3. Recht und Gerechtigkeit – Der Unterschied macht das Desaster
Was passiert, wenn man Gesetz und Moral verwechselt? Ein so erheiterndes wie erschreckendes Gedankenspiel mit Religionen und Rechtssystemen.
4. Best of Luzifer – Die Literaturklassiker des Bösen
Ideologien wie Sozialismus, Nationalsozialismus, Klimasozialismus oder Gesundheitssozialismus folgen dem gleichen Muster, denn das Böse hat System. Eine linguistische Analyse der bekanntesten Werke aus dem Giftschrank der Weltliteratur. Man erkennt das Tier an seinem Gange.
5. Literatur – Was erhebt einen Text zur Kunst?
Schriften sind Texte. Literatur ist weitaus mehr. Sie ist die gewaltigste aller Künste. Worin besteht diese Kunst? Ein Anschauungsunterricht in Literaturanalyse anhand des Märchens «Hans im Glück».
6. Was ist Kunst? – Die innere Erhabenheit
Die Weisheit wurde in der Antike von der Philosophie erkannt, von der Mathematik geprüft und durch die Kunst vermittelt. Heute, da die Philosophie mangels Weisheit die Sinnfrage nicht mehr beantworten kann und die Wissenschaft mangels mathematischen Verständnisses nur noch auf Statistik beruht, bleibt auch die Kunst inhaltsleer. Eine Rückbesinnung auf das Schöne, das Gute und das Wahre.
7. Schule des Grauens – Wo Kinder das Denken verlernen
Pädagogik ist eine Kunst und keine Wissenschaft. Die Akademisierung der Pädagogik ist die Rache der Unbegabten. Seit unser Bildungswesen akademisiert wurde, können pädagogisch Begabte nicht einmal mehr Lehrer werden.
8. Bhagavad Gita – Der Gesang des Erhabenen
Unter den altindischen Schriften ist die Bhagavad Gita die wichtigste und umfassendste Abhandlung über die Philosophie der Gewaltlosigkeit. Und sie ruft zum kriegerischen Kampf auf. Wie kann das sein? Berücksichtigt man die kunstvolle literarische Einbettung dieser 700 Verse in das über 100’000 Verse umfassende Sanskritepos Maha Bharata, erhält man erstaunlich konkrete und erbauliche Antworten auf die Frage, wer wann, wie, unter welchen Umständen und mit welchen Mitteln zum kriegerischen Kampf verpflichtet ist und wer sich wann und aus welchen Gründen neutral oder passiv verhalten darf oder muss.
9. Liebe, Lust und Logik – Platons vermisste Schlusspointe
Wie Sokrates in Platons «Gastmahl» die Sophisten an die Wand redet und unter den Tisch säuft, und die Überlieferung dabei das wichtigste unterschlägt.
10. Philosophie und Macht – Platons Höhlengleichnis
Platons umfassendes Standardwerk über Politik, Staat und Gesellschaft «Politeia» liest sich wie ein aktueller Hintergrundbericht zum heutigen Zeitgeschehen. Fast scheint es, als habe Sokrates unsere Politiker alle persönlich gekannt. Betrachtet man das Werk überdies von einem geistigen Standpunkt aus – denn einen solchen vertritt Platons Lehrer Sokrates in den darin enthaltenen Gesprächen – erklärt es gleich die ganze Welt.
11. Besonnenheit und Tapferkeit – Die Platonischen Tugenden
Die vier zoroastrischen Tugenden Weisheit, Gerechtigkeit, Besonnenheit und Tapferkeit werden als „Platonische Tugenden“ bezeichnet. Sie durchziehen Platons Werke wie ein roter Faden. Auf diesen vier Begriffen ruht die gesamte klassische Philosophie Griechenlands und Persiens. Platon selbst bezieht sich auf Zoroaster, „dem die Sterne hell und klar leuchten“, also den persischen Zarathustra, dem „Herrn über viele geistige Kamele“.
12. Wissenschaft und Technik – Geist und Materie
Durch die Trennung von Religion und Wissenschaft trennte Thomas von Aquin nicht nur den Geist von der Materie, sondern auch die Vernunft von der Technik. Damit entzog er einerseits die Kirche der naturwissenschaftlichen Kritik und entband andererseits die Naturwissenschaften von der Moral. Unfreiwillig begründete er dadurch unseren modernen, naturwissenschaftlichen Materialismus.
13. Die Philosophie ist tot – Es lebe die Philosophie
Jahrhundertelang verfolgte die Kirche Platoniker, Sokratiker und Pythagoreer und führte die Philosophie vom Licht der Erkenntnis in die Dunkelheit der Mystik. Auf den verwaisten Schild der griechischen Antike hob die Kirche den geistigen Zwerg Aristoteles, dessen weltliche Betrachtungen der Kirche nicht in die Quere kamen. Damit wurde die Philosophie der Neuzeit zur Erbin des geistigen Nichts. Oder, um es in ihrer eigenen, narkotisierenden Fachsprache auszudrücken: Die moderne Philosophie verharrt im geseinten Nichts.
Eine Schadenbilanz der aristotelischen Philosophie von Descartes bis Sartre und eine Rückbesinnung auf die geistigen Grössen Pythagoras, Sokrates und Platon.
14. Anarchie – Wer frei ist, ist selber schuld
Was unterscheidet die Demokratie von der Anarchie? Was ist ein Rechtsstaat? Eine erhellende Übersicht über alle Staatsformen, eine überraschende Einordnung der Demokratie und eine erschreckende Erkenntnis, was unsere eigene anbelangt. Es ist alles noch viel verrückter, als wir bisher dachten.
15. Selbstbeherrschung 1 – Triebe, Ängste & Emotionen
Unsere Triebe, Ängste und Emotionen reagieren auf Sinneseindrücke. Wer sich selbst beherrschen will, muss Herr seiner Sinne werden. Wer sich nicht selbst beherrscht, ist unbeherrscht und dadurch leicht fremd zu beherrschen.
16. Selbstbeherrschung 2 – Das Bewusstsein
Gedanken sind wie Vögel in der Luft. Ein klares Bewusstsein bedeutet nicht die Beherrschung der Vögel, sondern die Beherrschung der Luft, durch welche die Vögel gleiten. Der Weg dazu führt über die Meditation. Was ist Meditation und wie meditiert man richtig?
17. Selbstbeherrschung 3 – Das Unterbewusstsein
Im Traum bewegen wir uns im Unterbewusstsein. An seinem Unterbewusstsein arbeitet man daher am besten im Traum. Aber wie beherrscht man einen Traum?
18. Buddha, Marx und Einstein – Energie, Masse, Markt und Moral
Ein philosophisches Denkabenteuer über die freie Marktwirtschaft, transzendentale Sportwagen und die Äquivalenz von Energie und Masse.
19. Was ist Humor? – Betrachtungen über und unter der Gürtellinie
Humor hat nichts mit Lachen zu tun, sondern mit Lächeln. Zum Lachen wird man gezwungen. Lächeln muss man selber können. Eine Führung durch die vielfältige Waffenkammer des Humoristen.
20. Mentalität und Charakter – Krieg der Verhaltensmuster
Jeder vereint eine Mischung aus angeborenen und anerzogenen Verhaltensmustern in seinem Verhalten, die sich gegenseitig noch verstärken oder aufheben können. Hier wird ein mikroskopischer Blick auf das Individuum verbunden mit einem makroskopischen Blick auf die Kulturen, angereichert durch einen selbstironischen Blick in den helvetischen Spiegel mit einem verständnisvollen Seitenblick auf unsere deutschen Nachbarn.
21. Evolution und Revolution – Wer stürzt die Mehrheit?
Was wir in der Schweiz „Demokratie“ nennen, ist die gewaltlose Unterdrückung wechselnder Minderheiten. Die grösste Gefahr für die Demokratie ist die Mehrheit. Diese besteht je nach Standpunkt aus Pragmatikern oder Opportunisten. So oder so liegt die demokratische Macht in den Händen von Mitläufern. Wohin laufen sie? Ein tiefer Blick in den Spiegel und ein gewagter in die Kristallkugel.
22. Abkürzungen ins Paradies – Schon wieder Weltuntergang?
Politische, religiöse und pseudowissenschaftliche Ideologen bedienen sich seit Jahrtausenden der gleichen Sonderangebote, um Menschen hinters Licht zu führen. Sie versprechen Abkürzungen ins Paradies. Ironischerweise ist der längste Weg der kürzeste.
23. Was ist neu am Neuen Testament? – Die Frohe Botschaft
Monotheismus, Polytheismus, Himmel, Hölle, Erde, verlorenes Paradies, Wiedergeburt und Auferstehung. Wovon handeln die alten Schriften aus Ägypten, Griechenland, Persien und Indien? Eigentlich kulminiert alles im Neuen Testament. Dieses verkündet die verrückteste Nachricht seit dem Urknall.
24. Vater unser im Himmel – Frei wie die Vögel und schön wie die Lilien
Es ist die Meditation der Meditationen, die Essenz des Alten und Neuen Testaments, der Schlüssel zur Weisheit. Satz für Satz widerlegt dieses Gebet die theologischen Irrlehren der letzten 1'500 und entlarvt die Kirche als geistlose Institution. Eine quellenkritische Textanalyse.
