Brandlöschung

Kolumne von Andreas Thiel, erschienen in der Weltwoche Ausgabe 17/2020

 

Berset: Gleich ist Pressekonferenz. Was kann ich sagen? Was wissen wir?

 

Einsatzleiter: Die Löscharbeiten sind abgeschlossen. Wir haben die Lage jetzt unter Kontrolle.

 

Berset: Können wir den Schaden schon beziffern?

 

Einsatzleiter: Die Bewohner werden leider nicht mehr ins Haus zurückkehren können. Das Dach ist unter dem Löscheinsatz eingestürzt. Auch in den unteren Stockwerken herrscht Einsturzgefahr. Die Keller sind überflutet. Die Einrichtung ist total ruiniert. Das Haus muss vollständig abgerissen und neu gebaut werden.

 

Berset: Das ist alles nur Sachschaden. Haben wir Verletzte oder Tote zu beklagen?

 

Einsatzleiter: Alle Bewohner konnten geborgen werden. Durch die überstürzte Evakuierung erlitten zwar einige Menschen Verletzungen, die aber alle behandelt werden können. Das schlimmste ist ein Beinbruch, verursacht durch einen unsachgemässen Sprung aufs Sprungkissen. Die entsprechende Person hat aus unerfindlichen Gründen beim Springen die Weisungen der Rettungskräfte nicht richtig befolgt. Natürlich stehen die Evakuierten noch unter Schock. Aber sie werden von speziell dazu ausgebildeten Psychologen professionell betreut. Ein älterer Herr hat zwar einen Herzinfarkt erlitten, allerdings erst nachdem er gerettet worden war. Seine Bergung durch ein Küchenfenster über die Drehleiter verlief reibungslos.

 

Berset: Aber es musste niemand im Haus zurückgelassen werden?

 

Einsatzleiter: Nein, zum Glück nicht. Wir konnten alle rausholen. Die Nachbarhäuser sind gesichert, der Schaden ist erkannt, und die Brandermittlung ist auch abgeschlossen. Das sind die guten Nachrichten.

 

Berset: Und was ist die schlechte Nachricht?

 

Einsatzleiter: Es hat gar nicht gebrannt.

 

Berset: Das müssen wir an der Pressekonferenz ja nicht erwähnen.

Corona-Tagebuch

Kolumne von Andreas Thiel, erschienen im Nebelspalter Ausgabe 05/2020

 

 

Montag

Die Vaudoise bietet neu eine Versicherung an, mit welcher man sich gegen Bundesratsentscheide versichern kann. Die Versicherung ist aber sehr teuer, weil die Versicherungsmathematiker das Risiko von katastrophalen Fehlentscheiden als sehr hoch einschätzen.

 

Dienstag

Die Vereinigung der Fachärzte sammelt Unterschriften für eine Initiative, mit welcher sie fordert, die finanzielle Entschädigung der Bundesräte zu ersetzen durch täglichen Applaus der Bürger von ihren Balkonen jeweils von 18:00 Uhr bis 18:01.

 

Mittwoch

Die Forderung der Juso nach einer permanenten Ausgangssperre für über 65-Jährige wurde als billiger Versuch entlarvt, SVP-Wähler dauerhaft von der Urne fernzuhalten.

 

Donnerstag

Das Bundesamt für Gesundheit beantragt beim Bundesamt für Statistik, Neugeborene als künftige Corona-Tote bereits mitzählen zu dürfen.

 

Freitag

Immer mehr Bürger hauen nach Schweden ab, wo es keinen Lock-Down gibt.

 

Samstag

Die leeren Intensivstationen der Spitäler werden notfallmässig gefüllt mit obdachlosen Familien, die wegen der stillgelegten Wirtschaft kein Einkommen mehr haben und die Mieten nichtmehr bezahlen können.

 

Sonntag

Eine als „Spitex-Gang“ bekannte Dissidentengruppe treibt im Aargau ihr Unwesen. Die Gangmitglieder brechen in Alters- und Pflegeheime ein, um den Betagten Gesellschaft zu leisten.

 

Montag

Franz Hohler wurde verhaftet. Laut dem zuständigen Polizeisprecher der Kantonspolizei Zürich wurde er nach einer kurzen medizinischen Begutachtung umgehend zur Verwahrung in eine geschlossene Psychiatrische Anstalt eingewiesen. In einem offensichtlich über Jahrzehnte hinweg nicht erkannten Zustand geistiger Verwirrung soll er ganze Generationen von Lesern dazu verleitet haben, ihr Umfeld mit tödlichen Viren anzustecken, was unerklärlicherweise erst jetzt, 50 Jahre nach der Erstveröffentlichung des Jugendbuchs Tschipo bekannt wurde. In dem 1978 erschienenen Buch schläft und träumt ein König ununterbrochen, wobei alle seine Träume wahr werden. So verwandelt sich zum Beispiel ein ganzes Inselkönigreich zu Gold. Da man aber Gold nicht essen kann, droht das Inselvolk zu verhungern. Der einzige, der die absurden Träume des Königs wieder zurückträumen kann, ist der Junge Tschipo, der zum Glück am Ende sogar träumt, dass der König endlich aus seinen Träumen erwacht. Der König kommt zur Einsicht, dass das Wichtigste im Leben soziale Nähe sei. Denn der Herrscher war seinen desaströsen Träumen bloss verfallen, weil er zu viel Distanz zu seinem Volk gehabt hatte. Am Ende fordert der König die Bürger des Inselreichs auf, sich immer und überall so oft wie möglich zu umarmen. Laut ersten Hochrechnungen wird Franz Hohler als Autor dieses Buches für Zehntausende von Grippetoten im letzten halben Jahrhundert verantwortlich gemacht.

 

Dienstag

In Zürich tötete die Polizei bei der Durchsetzung der Gesundheitsregeln erstmals mehr Menschen als das Corona-Virus. Die Stadtregierung wertet dies als Erfolg.

 

Mittwoch

Ein indischer Guru hat im Auftrag der Hare-Krishna-Bewegung Zürich ausgerechnet, wie viele künftige Reinkarnationen der Bundesrat benötigen wird, um den Schaden abzutragen, den er in diesem Leben angerichtet hat. Bei einem bisher absehbaren Schaden von 50-100 Milliarden Franken und einem Medianlohn von aktuell CHF 6'502.00 mit einer im Idealfall ununterbrochenen 100%igen Arbeitsleistung vom 20. bis zum 65. Altersjahr in künftigen Inkarnationen, wird jeder der sieben Bundesräte zwischen 2’034 und 4’068 Leben lang ohne Lohn arbeiten müssen, bis er den angerichteten Schaden abgetragen haben wird.

 

Sonntag

Der Bundesrat hat überall Plakate aufhängen lassen mit dem Schriftzug: „Vielleicht fällt bald der Mond herunter. Bleiben Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit zuhause, bis der Bundesrat einen Impfstoff entwickelt hat.“ Seither bleiben die Leute auch nachts zuhause.

 

Montag

Heute hat der Bundesrat mit dem Mauerbau begonnen.

Posteingang

Kolumne von Andreas Thiel, erschienen in der Weltwoche Ausgabe 18/2020

 

 

Sommaruga: Eine Papeterist fragt, ob mit der Covid-19-Verordnung 2 die Epidemie verhindert, reduziert oder bloss verlangsamt werden soll.

 

Berset: Er soll die Verordnung lesen.

 

Sommaruga: Dort stehe mal das eine und dann wieder das andere. Er fragt weiter, weshalb er nach dieser Verordnung zwar „Radiergummis“ und „Büroklammern“ aber keine „Globen“ und „Taschenrechner“ verkaufen dürfe. Ob wir befürchteten, jemand könnte nachschauen, wo Wuhan liegt, oder nachrechnen und herausfinden, dass wir mit völlig falschen Zahlen operierten.

 

Berset: In den Aktenvernichter.

 

Sommaruga: Der ist kaputt, seit du an der Feier zur Ausrufung des Notstands die Verfassung geschreddert hast. Und jetzt fragt der Fussball-Hooligan-Club Muttenz, ob mit den Grundrechten des Bürgers auch das Gewaltmonopol des Staats aufgehoben sei.

 

Berset: Sie sollen einen Staatsrechtler fragen.

 

Sommaruga: Hier fragt ein Staatsrechtler, ob er schon mal eine neue Verfassung verfassen soll, und in welches Gefängnis wir dann am liebsten...

 

Berset: Gibt es keine positiven Reaktionen?

 

Sommaruga: Christian Levrat gratuliert zur nachhaltigen Zerstörung der freien Marktwirtschaft und lobt im Speziellen die Idee mit der Plünderung der ALV. Er bittet uns aber, seinen Lohn als Betrufspolitiker sicherzustellen.

 

Berset: Weshalb sollte sein Lohn nicht sicher sein? Ich habe es in meiner ganzen Karriere als Berufspolitiker noch nie erlebt, dass mein Lohn nicht kam. Aber wo sind unsere Bundesratskollegen?

 

Sommaruga: Schau zum Fenster raus. Jemand hat mit Kreide grosse Pfeile auf den Bundesplatz gemalt, die im Kreis rumführen. Viola, Guy und Karin folgen diesen nun schon seit 45 Minuten.

 

Berset: Was ist sonst noch in der Post?

 

Sommaruga: Die Armbrustschiessvereine Uri, Schwyz und Nidwalden laden uns zu einer Besichtigung der Hohlen Gasse ein.

Märchen

Kolumne von Andreas Thiel, erschienen in der Weltwoche Ausgabe 20/2020

 

 

Nichte: Tante Simonetta, erzählst Du uns eine Gutenachtgeschichte?

 

Neffe: Au, ja, ein Märchen, bitte!

 

Sommaruga: Welches Märchen möchtet ihr denn hören?

 

Nichte: Das Märchen vom Rotkäppchen, das seine Grossmutter besucht und dann vom bösen Wolf gefressen wird.

 

Sommaruga: Aber das ist doch Blödsinn. So etwas kann nicht passieren, weil Rotkäppchen seine Grossmutter gar nicht besuchen darf.

 

Neffe: Dann halt das Märchen von Dornröschen, zu dessen Taufe nur 12 von 13 Feen eingeladen sind, weil der König nur 12 goldene Tischgedecke hat, worauf die 13. Fee dann trotzdem kommt und die Prinzessin verflucht...

 

Sommaruga: Das ist absurd. Taufen dürfen nur im engsten Familienkreis durchgeführt werden. Da sind bestimmt keine Fee dazu eingeladen.

 

Nichte: Dann erzähl uns die Geschichte von den drei Weisen, die aus dem Morgenland kommen.

 

Sommaruga: Die Grenzen sind gesperrt. Da kommt keiner, ausser er ist so weise, einen Asylantrag zu stellen. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

Neffe: Was ist mit dem Wolf, der Kreide schluckt, damit er die sieben Geisslein fressen kann?

 

Sommaruga: Kreide gehört nicht zu den lebensnotwendigen Gütern und darf gar nicht erst verkauft werden.

 

Nichte: Ich möchte das Märchen von Aschenputtel hören, dem die Tauben helfen, Linsen zu zerlesen.

 

Sommaruga: Von Tauben sollte sich Aschenputtel keinesfalls helfen lassen, wo doch jeder weiss, dass Vögel schlimme Viren auf den Menschen übertragen.

 

Neffe: Was ist mit dem Märchen von des Kaisers neuen Kleidern, wo das Mädchen ruft: „Der Kaiser ist nackt!“?

 

Sommaruga: Das ist kein Märchen sondern eine Verschwörungstheorie. Soll ich euch mal eine wahre Geschichte erzählen?

 

Nichte: Eine wahre Geschichte?

 

Neffe: Au ja!

 

Sommaruga: Es war einmal ein chinesisches Killervirus...

In der Klinik

Kolumne von Andreas Thiel, erschienen in der Weltwoche Ausgabe 21/2020

 

 

Psychiater: Gehört der General in Uniform zu den Patienten?

 

Pflegerin: Ja, er leidet an Holophobie.

 

Psychiater: Er fürchtet sich vor Schusswaffen? Sind das hier die Angstpatienten?

 

Pflegerin: So ist es. Der Kraftprotz beispielsweise, der sich mit dem General unterhält, ist Rauptierdompteur, und leidet an einer Aelurophobie.

 

Psychiater: Er hat Angst vor Katzen? Sehr interessant.

 

Pflegerin: Aussergewöhnlich ist auch der Fall dieser Coiffeuse, die eine Chaetophobie hat.

 

Psychiater: Sie fürchtet sich vor behaarten Menschen? Muss sie sich deshalb mit diesem behaarten Menschen unterhalten?

 

Pflegerin: Ja, das ist eine therapeutische Sitzung.

 

Psychiater: Ist das nicht ein bekannter Gewerkschaftsboss?

 

Pflegerin: Ja, er leidet an Ergophobie.

 

Psychiater: Er hat Angst vor Arbeit? Und der Pfarrer dort drüben leidet wohl an Eusebie.

 

Pflegerin: An Gottesfurcht? Nein, an Ikonophobie. Er ist Protestant und fürchtet sich vor Bildern.

 

Psychiater: Weshalb trägt der Mann dort drüben eine Zwangsjacke?

 

Pflegerin: Das ist ein Mörder.

 

Psychiater: Und leidet er an Haematophobie?

 

Pflegerin: Ob er kein Blut sehen kann? Im Gegenteil, er hat eine Coulrophobie.

 

Psychiater: Er hat Angst vor Clowns? Dann handelt es sich um eine therapeutische Sitzung, die er da mit dem Clown hat?

 

Pflegerin: Nein, er tröstet den Clown, weil dieser unter Gelotophobie leidet.

 

Psychiater: Der Clown hat Angst, ausgelacht zu werden?

 

Pflegerin: Ja, er denkt, alle seien verrückt.

 

Psychiater: Aber der Herr dort drüben sieht völlig normal aus.

 

Pflegerin: Das ist ein Virologe, der an Mysophobie leidet.

 

Psychiater: Ein Virologe, der Angst vor Viren hat? Damit bringt man es als Mediziner auch nicht weit.

 

Pflegerin: Im Gegenteil, der hat richtig Karriere gemacht im Bundesamt für Gesundheit.

Theaterpause

Kolumne von Andreas Thiel, erschienen in der Weltwoche Ausgabe 22/2020

 

Simonetta: Ich verstehe nicht, warum man Tell zum Helden hochstilisiert. Indem er die neuen Verhaltensregeln ignoriert, gefährdet er das Leben anderer.

 

Alain: Tell setzt lieber das Leben seines Sohnes aufs Spiel, als sich an die Regeln zu halten.

 

Karin: Hätten die Habsburger eine Kesp gehabt, hätte diese eingegriffen.

 

Guy: Tell wird auch so verhaftet.

 

Viola: Ja, aber dann lässt man ihn ans Ruder. Welcher Idiot lässt einen Gefangenen ans Steuer eines Gefangenentransports?

 

Alain: Stellt euch vor, Gessler hätte statt der Empfehlung, einen Hut zu grüssen, die Empfehlung erlassen, einen Mundschutz zu tragen. Was hätte Tell dann getan? Auf Gessler geschossen?

 

Guy: Er hat auch so auf Gessler geschossen.

 

Simonetta: Aber nur, weil diese Habsburgerhasserin regierungsfeindliche Propaganda verbreitet.

 

Ignazio: Welche Habsburgerhasserin?

 

Simonetta: Dese links-rechts-extreme Esoterikerin, die Stauffacherin. Und ihr Mann und die anderen beiden Verschwörungstheoretiker verbreiten die Fake News, die Habsburger würden die Herrschaft über die Schweiz anstreben.

 

Viola: Die einzige Verschwörung, die ich sehe, ist diese Rütliverschwörung.

 

Karin: Wer wäre denn an Gesslers Stelle bereit, so grosse Verantwortung zu tragen und Entscheidungen für alle zu fällen?

 

Ignazio: Der Gessler hat sicher auch Fehler gemacht. Aber das macht schliesslich jeder.

 

Simonetta: Die Landbevölkerung war politisch schon immer etwas rückständig. Das ist auch heute noch so, wenn man das Abstimmungsverhalten anschaut.

 

Karin: Vermutlich würden diese Verschwörungstheoretiker heute noch habsburgfeindliche Propaganda verbreiten, wenn Gessler nicht auf tragische Weise ums Leben gekommen wäre.

 

Alain: Eigentlich ist Gessler der wahre Held der Geschichte. Ihm müsste man ein Denkmal errichten.

 

Ueli: Weshalb trägst Du eigentlich neuerdings einen Hut?

Virologen sind tödlicher als Viren.

Essay von Andreas Thiel, erschienen im Nebelspalter, Ausgabe 6/2020

 

Wenn Virologen die Welt beherrschen, ist die Zeit gekommen, die Armee abzuschaffen. Aber beginnen wir mit den Fakten. Den neusten Erkenntnissen nach zu beurteilen, ist die weltweite Corona-Hysterie ein Versteckte-Kamera-Sketch eines lokalen TV-Senders in Wuhan, der gewaltig aus dem Ruder gelaufen ist. Dass so etwas irgendwann passieren würde, muss jedem ernstzunehmenden Komiker klar gewesen sein. Dass Scherze, die nicht verstanden werden, aus humorlosen Menschen Menschenfresser machen, wissen wir ja nicht erst seit dem Massaker in der Redaktion von Charlie Hebdo. Bereits der dänische Karikaturenstreit zeigte die Dimensionen der Ausuferung auf, in welche unkontrollierte Massenhysterien aufgrund von nichts ausarten können.

 

Aber schauen wir zurück zur Gegenwart bzw. noch etwas weiter. Ab Ende der 1980er Jahre sorgte in Zürich der VPM, der „Verein zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis“, für nationales Unbehagen. Der Verein galt als rechtskonservative Sekte. Die Sektenmitglieder sollen ihren Kindern verboten haben, ihre Pausenäpfel mit anderen Kindern zu teilen. Der VPM argumentierte rein wissenschaftlich. Es handle sich bloss um eine Hygienemassnahme, um die Kinder vor möglichen Ansteckungen mit Krankheiten zu schützen, welche andere Kinder haben könnten. Die nationale Presse war empört, das Volk empörte sich mit.

 

Gemessen am damaligen Massstab hat der Bundesrat Anfang 2020 unter der Führung von Alain Berset und unter dem Jubel der nationalen Presse eine rechtsextreme Diktatur errichtet, und das Volk jubelt mit.

 

Krankheiten erkennt man an Symptomen. In den letzten zehn Jahren hat die Bundesverwaltung den Einsatz von Plastik eingeschränkt und verboten, wo sie nur konnte, mit dem Argument, Plastiksäcke und dergleichen würden die Weltmeere in Massengräber für deren Bewohner verwandeln. Aber wo die Bundesverwaltung den Einsatz von Plastik in den letzten Jahren nach und nach verboten hatte, erklärt sie nun die Verwendung von Plastik kurzerhand für Obligatorisch und zwar in zuvor nie dagewesenem Ausmass. In den letzten zwei Monaten wurde auf Anordnung des Bundesrats und unter Androhung von Strafe so viel Plastik verbraucht, dass die Weltmeere demnächst jene horriblen Todesraten verzeichnen müssen, welche staatliche Virologen fälschlicherweise für die Menschheit prophezeit hatten.

 

Dass eine Grippewelle die Menschheit nicht einfach so dahinraffen würde, hätte jeder wissen können, der selber schon mal eine Grippe hatte. Und dass die Zerstörung der Wirtschaft die Wirtschaft zerstören würde, hätten auch alle wissen müssen, die nichts wissen. Aber offensichtlich ist immer noch der Irrglaube weit verbreitet, dass sämtliche sozialistischen Experimente bisher bloss gescheitert seien, weil der Sozialismus falsch umgesetzt worden sei. Wer also immer noch nicht erkannt hat, dass das Problem am Sozialismus der Sozialismus selber ist, der werfe jetzt mal einen Blick auf die aktuelle Lage: Der Bundesrat hat vor zwei Monaten die freie Marktwirtschaft ersetzt durch Planwirtschaft. Während der freie Markt in diesen zwei Monaten nicht nur die erwerbstätige sondern auch die nicht erwerbstätige Bevölkerung locker hätte ernähren können, erreicht der Schaden, den der Bundesrat mit seinem „Plan“ in nur zwei Monaten anrichtete, bald die Marke von 100 Milliarden Franken, was bedeutet, dass zwei Generationen nicht mehr ausreichen werden, um diesen Schaden zu beheben. Das hätte nicht einmal ein Virus geschafft, welches so tödlich wäre, wie es der Bundesrat – wieder einmal – fälschlicherweise behauptet hatte. Nachdem nun aber der Bundesrat auch noch die Armee mobilisiert hat, um diese ganz normale Grippe zu bekämpfen, ist es mir lieber, wenn die Rekruten künftig Sackhüpfen üben, statt schiessen zu lernen. So gibt es dann vielleicht weniger Tote, wenn der Bundesrat bei der nächsten Grippewelle die Armee gegen das eigene Volk einsetzt, um uns unter Androhung von Straflager – Entschuldigung, das heisst dann natürlich Quarantäne; und wir werden sicherlich zu unserem eigenen Schutz dorthin abtransportiert werden – dem dann herrschenden Impfzwang zu unterwerfen.

Massnahmen

Kolumne von Andreas Thiel, erschienen in der Weltwoche Ausgabe 16/2020

 

Patient: Guten Tag, ich...

 

Praxishilfe: Bitte nehmen Sie eine Schutzmaske aus der Schachtel mit den frischen Schutzmasken, binden sich diese um, desinfizieren sich die Hände, nehmen einen desinfizierten Kugelschreiber, unterschreiben dieses Formular, mit welchem Sie erklären, dass Sie weder Träger des Coronavirus sind noch einen Träger kennen. Dann legen Sie den gebrauchten Kugelschreiber in die Schachtel mit den gebrauchten Kugelschreibern...

 

Patient: Aber ich bin doch hier, um...

 

Praxishilfe: Sprechen Sie lauter. Durch die Schutzmaske versteht man Sie so schlecht.

 

Patient: Ich fühle mich etwas...

 

Praxishilfe: Kommen Sie näher, und sprechen Sie neben der Plexiglasscheibe durch, damit ich Sie verstehen kann.

 

Patient: Ich habe mich vielleicht...

 

Praxishilfe: Heben Sie ihre Schutzmaske etwas an. Ich verstehe kein Wort.

 

Patient: Ich wollte abklären, ob...

 

Praxishilfe: Nicht ins Gesicht fassen!

 

Patient: Wie soll ich die Schutzmaske anheben, ohne...

 

Praxishilfe: Jetzt haben Sie mich beim Sprechen angespuckt!

 

Patient: Die Schutzmaske ist so feucht...

 

Praxishilfe: Mein Gott! Da hat jemand eine gebrauchte Schutzmaske in die Schachtel mit den frischen Schutzmasken gelegt. Hoffentlich werden Sie jetzt nicht krank!

 

Patient: Aber ich bin doch bereits krank und möchte mich auf das Coronavirus testen lassen.

 

Praxishilfe: Sie vermuten, Sie könnten Träger des Coronavirus sein?

 

Patient: Um das herauszufinden, bin ich hier.

 

Praxishilfe: Bitte verlassen Sie umgehend die Praxis. Wenn herauskommt, dass hier ein Patient war, der vielleicht mit dem Coronavirus infiziert ist, müssen wir die Praxis schliessen und werden unter Quarantäne gestellt. Und wer kümmert sich dann um die Patienten?

Kopfrechnen

Kolumne von Andreas Thiel, erschienen in der Weltwoche Ausgabe 15/2020

 

 

Berset: Bitte seien Sie etwas sparsamer mit dem Desinfektionsmittel. Es wird langsam knapp. Und ich weiss nicht, wie lange die Epidemie noch dauert.

 

Putzfrau: Wenn ich weniger Desinfektionsmittel nehme, dauert es länger, bis ich Ihr Büro geputzt habe. Und dann bleibt Ihnen weniger Zeit zum Arbeiten. Und wenn Sie weniger arbeiten, dauert es noch länger, bis Sie die Epidemie beendet haben.

 

Berset: Ich kann doch die Epidemie nicht selber beenden. Eine Epidemie ist vorbei, sobald die Bevölkerung einen Durchseuchungsgrad zwischen 60 und 80% erreicht hat.

 

Putzfrau: 60 bis 80% der Schweizer Bevölkerung? Das sind ja 5 bis 7 Millionen! Da sorgen Sie doch hoffentlich dafür, dass sich die Leute so schnell wie möglich anstecken. Sonst dauert die Epidemie ja ewig.

 

Berset: Da sieht man mal, weshalb ich Bundesrat geworden bin, und Sie Putzfrau. Wir müssen die Ansteckungskurve doch gerade flach halten, damit wir nicht riskieren, zu wenig Spitalplätze für Intensivpatienten zu haben. Deshalb haben wir die Notstandsgesetze erlassen, damit sich die Leute eben nur ganz langsam anstecken!

 

Putzfrau: Ist eine flache Kurve denn nicht umso länger?

 

Berset: Die Länge der Kurve interessiert doch niemanden! Sie darf nur nie so hoch werden, dass uns die Spitalbetten ausgehen.

 

Putzfrau: Wie flach verläuft denn die Kurve jetzt?

 

Berset: Täglich werden ca. 1'000 Menschen positiv getestet. Aber wir rechnen mit einer Dunkelziffer von einem Faktor 6.

 

Putzfrau: Das wären dann 7'000 Fälle täglich. Das heisst, wenn Sie die Kurve weiterhin so flach halten, vergehen 2 oder 3 Jahre, bis Sie eine Durchseuchung von 60 bis 80% erreichen. Und so lange werden Sie die Notstandsgesetze aufrechterhalten müssen. Wissen das die Leute?

 

Berset: Äh, nein. Wie kommen Sie auf diese Zahl?

 

Putzfrau: Die habe ich im Kopf ausgerechnet. Rechnen Sie nie im Kopf nach?

 

Berset: Nein. Dazu haben wir Experten.

Feind innen

Kolumne von Andreas Thiel, erschienen in der Weltwoche Ausgabe 14/2020

 

Li Kequiang: Wir sind die letzte mächtige kommunistische Partei. Sonst herrscht fast überall Demokratie.

 

Xi Jinping: Aber die Demokratien haben eine grosse Schwachstelle.

 

Li Kequiang: Und die wäre?

 

Xi Jinping: Ihre Regierungen.

 

Li Kequiang: Wieso?

 

Xi Jinping: Auch demokratisch gewählte Regierungen träumen von mehr Macht. Sie müssen sich ständig von Stimmbürgern dreinreden und von Wählern austauschen lassen.

 

Li Kequiang: Das ist doch kein Regieren!

 

Xi Jinping: Genau. Der Fehler der Sowjets war, dass sie mit ihrer Propaganda versuchten, die Bürger der Demokratien vom Kommunismus zu überzeugen. Das hat nicht funktioniert. Deshalb setzen wir dort an, wo der natürliche innere Feind jeder Demokratie sitzt.

 

Li Kequiang: Wo?

 

Xi Jinping: In der Regierung. Ich habe unseren westlichen Kollegen ein Konzept präsentiert, wie sie über Nacht die totale Macht erringen können. Zuerst müssen sie ein striktes Versammlungsverbot durchsetzen, denn wer über elektronische Medien kommuniziert, ist leichter zu kontrollieren, als wer sich frei versammelt. Und dann müssen sie die freie Marktwirtschaft aussetzen, damit alle vom Staat abhängig werden. Wer vom Staat abhängig ist, lehnt sich nicht gegen ihn auf. Und dann müssen sie das Bildungssystem runterfahren...

 

Li Kequiang: Wie soll man auf demokratischem Wege so etwas durchsetzen?

 

Xi Jinping: Indem man das Kriegsrecht ausruft.

 

Li Kequiang: Aber im Westen ist doch weit und breit kein Feind in Sicht.

 

Xi Jinping: Wir geben ihnen einen Feind, der so klein ist, dass man ihn nicht sieht.

 

Sekretär: Entschuldigung, wenn ich unterbreche, eben kommt eine weitere E-Mail, diesmal aus der Schweiz. Eine gewisse Frau Sommaruga und ein Herr Berset sind ebenfalls sehr interessiert an unserem Konzept.

Kafka

Kolumne von Andreas Thiel, erschienen in der Weltwoche Ausgabe 13/2020

 

Richter: Sie sind wegen Einbruchs und versuchten Mordes angeklagt!

 

Rentner: Ich bin in das Pflegeheim eingebrochen, wo meine Frau seit Wochen isoliert war, um ihr Gesellschaft zu leisten.

 

Richter: Sie sehen aber ein, dass Sie damit das Leben ihrer Frau gefährdet haben?

 

Rentner: Ich bin froh, dass ich sie noch einmal gesehen habe, denn sie ist noch während meiner Untersuchungshaft gestorben.

 

Richter: An der Grippe?

 

Rentner: An Einsamkeit.

 

Richter: Trotzdem haben Sie sich in einer Notsituation nicht an die Weisungen des Bundesrats gehalten! Das wird mit drei Jahren Freiheitsentzug bestraft. Der Nächste? Aha, es handelt sich um eine junge Frau. Sie werden der mehrfachen, versuchten, fahrlässigen Tötung bezichtigt.

 

Mutter: Ich war bloss mit meinen Kindern einkaufen.

 

Richter: Sie wissen aber, dass das strafbar ist?

 

Mutter: Was hätte ich tun sollen? Früher, als das erlaubt gewesen wäre, ging ich noch alleine einkaufen, während die Kinder im Schwimmunterricht, in der Waldspielgruppe und im Kindergarten waren. Aber das wurde ja alles verboten. Also musste ich doch die Kinder mitnehmen.

 

Richter: Unglaublich, wie uneinsichtig junge Delinquentinnen heutzutage sind! Und Sie? Sie haben nicht nur illegal Ihr Seniorenheim, sondern auch gleich noch das Land zu verlassen!

 

Rentnerin: Ich wollte schauen, ob es im Elsass noch Toilettenpapier gibt.

 

Richter: Dafür muss ich Sie bestrafen! Und was ist mit Ihnen? Hier steht, Sie haben die Vertragsfreiheit zerstört, das Recht auf Bildung abgeschafft und alle Bürger ihrer Freiheit beraubt. So etwas habe ich ja noch nie gehört. Da müssten Sie ja Diktatorin gewesen sein.

 

Sommaruga: Ich war Bundesrätin.

 

Richter: Hier steht, Sie sind Verwaltungsrätin bei Zalando.

 

Sommaruga: Ja, nachdem alles aus dem Ruder gelaufen war, hat mir Zalando diesen Posten angeboten.

Fussballfieber

Kolumne von Andreas Thiel, erschienen in der Weltwoche Ausgabe 11/2020

 

Sportkommentator: ...der italienische Stürmer hustet. Der deutsche Torhüter weicht aus. Schuss aufs Tor und... Nein, der Schiedsrichter pfeift ab. Sanitäter messen die Temperatur des italienischen Stürmers. Sie scheint normal zu sein. Also Freistoss für... Der Schiedsrichter konsultiert den Video-Assistenten. Der italienische Stürmer hat den Sicherheitsabstand von zwei Metern gegenüber dem Torhüter unterschritten. Das müsste Rote Karte geben! Der italienische Mannschaftskapitän kritisiert, der Abstand sei durch den deutschen Torhüter unterschritten worden, als dieser die Arme ausbreitete. Also Freistoss für die Italiener. Der Schiedsrichter mahnt die deutschen Verteidiger in der Mauer, den Abstand von zwei Metern untereinander einzuhalten. Der Freistoss wird abgewehrt, aber... Es war Handspiel! Im Strafraum! Elfmeter! Die Sanitäter kommen und desinfizieren den Ball. Der italienische Stürmer nimmt Anlauf... und hustet. Die Sanitäter scannen ihn erneut. Die Temperatur scheint nun doch grenzwertig zu sein. Er muss ausgewechselt werden. Ein Ersatzspieler legt den Schutzanzug ab. Jetzt Tumult auf der Tribüne! Ein Fussballfan scheint sich gewaltsam Zugang zum leeren Stadion verschafft zu haben. Er rennt durch die leeren Stuhlreihen, verfolgt von Polizisten in Schutzanzügen, springt über die Bande auf den braunen Rasen und rutscht aus. Der Rasen hat sehr gelitten unter der Desinfektion. Jetzt zieht sich der Fan aus! Und hustet! Ein infizierter Flitzer!? Der Schiedsrichter und die Spieler fliehen vom Platz in die Einzelkabinen im Quarantäne-Container. Der Flitzer schlägt auf dem braunen Rasen Haken und macht Luftsprünge. Der erste Verfolger kollabiert in seinem Schutzanzug. Die Sanitäter rennen mit dem Wärmescanner zu ihm hin. Es wird wohl etwas länger dauern, bis das Spiel fortgesetzt werden kann. Ich schlage vor, wir unterbrechen hier und schauen, was beim Handball läuft.

Killerviruskinder

Kolumne von Andreas Thiel, erschienen in der Weltwoche Ausgabe 12/2020

 

 

Prosaiker: Ich frage mich, was mehr Menschen tötet, die Grippe oder die bundesrätlichen Massnahmen.

 

Poet: Wen diese Grippe nicht tötet, den lähmt sie jetzt. Mir kommt Jesaja 13,21 in den Sinn: „Und ihre Häuser werden voller Eulen sein“.

 

Prosaiker: Dieser Satz macht doch keinen Sinn.

 

Poet: Genau deshalb kommt er mir in den Sinn.

 

Prosaiker: Die verzweifelte Weltverbesserungsaggressivität unserer Bundesrätinnen übersteigt jeden Messianismus.

 

Poet: Um zu verhindert, dass das Schiff womöglich im nächsten Sturm unkontrolliert kentert, versenkt der Bundesrat das Schiff und bittet alle Passagiere, in ihren Kabinen zu bleiben, bist er die Situation wieder im Griff hat.

 

Prosaiker: Moment, ich muss kurz eine Nachricht an meine Schwiegereltern schreiben: „Liebe Oma, lieber Opa, wir haben unsere Kinder getestet, sie sind nicht infiziert. Deshalb würden wir sie gerne zu Euch in die Quarantäne geben. Seit die Schule geschlossen ist, komme ich zuhause mit dem Home-Office nicht mehr...“

 

Poet: Warum überlässt man das Problem mit dem neuen Virus nicht den Ärzten?

 

Prosaiker: Ärzte sind keine Ärzte mehr. Früher musste ein Arzt noch diagnostizieren. Heute teilt er dem Patienten nur noch mit, welche Diagnose das Analysegerät gegeben hat. In wenigen Jahren wird Arzt kein akademischer Beruf mehr sein, sondern eine zweijährige Zusatzlehre für Praxishilfen.

 

Poet: Keiner denkt an die Suizide wegen Depressionen infolge von Konkursen oder wenigstens an die Leberschäden, die in der Einsamkeit der Quarantäne entstehen können.

 

Prosaiker: Vielleicht führt die Quarantäne aber auch zu einem Babyboom.

 

Poet: Und die Boom-Generation nennen wir dann „Killerviruskinder“.

 

Prosaiker: Nennen wir sie Corona-Kinder.

 

Prosaiker: Erst regiert das Klima die Welt, dann eine Grippe aber niemals die Vernunft.

 

Poet: Müsste ich unserer Epoche eine Farbe geben, wäre sie Neongrau.

© Andreas Thiel 2020