Andreas Thiel Kolumne
Und so weiter ...  In New York platzt eine Finanzblase, in Moskau eine Gasblase, in Gaza eine Fruchtblase und in Paris spielt eine Blaskapelle. Man tut, was man kann. Es fehlt nicht an Regeln, es fehlt an Moral. In Israel weiss man auch nicht mehr weiter, also geht man weiter. Denn so weitergehen kann es nicht.

Ein flüchtiger Frieden versandet in den dunstigen Dünen der heissen Wüste. Glühender Lava gleich bahnen sich schwere Panzer langsam ein brennendes Flussbett durch Gaza City. Ein Vielvölkervulkan bricht aus. Flüchtlingsströme ergiessen sich über die Abgründe. Ein alptraumgeplagter Schlafwandler steht mitten in der Nacht ruhig atmend und mit geschlossenen Augen auf, watet leise durch die Hausruinen und legt mit ruhiger Hand Sprengfallen. Tagsüber, wenn er wach ist, ist er Ambulanzfahrer für das Rote Kreuz und hat zwölf Kinder. In einem noch warmen Bombenkrater auf der anderen Seite der Mauer schläft ein müder Wachtmeister im Ruhestand und träumt sich weit weg in den kühlen Norden an den Finnischen Meerbusen, in einen erloschenen Leuchtturm. Er träumt davon, für einmal nicht vom Einschlag einer Kassamrakete geweckt zu werden sondern selber erwachen zu können.

In Nahost sind die Mütter enterbt, die Väter verwaist, die Töchter verwitwet und die Brüder unversöhnlich. Was den Juden wieder mal gut tun würde, wäre ein Jesus. Er, der nicht um sondern für etwas gekämpft hat. Der bunte Ritter mit dem Löwenzahn auf dem Schild und der Adlerfeder in der Hand. Er, der nicht mit dem sondern mit Verstand gerungen hat. Er, der willens war und nicht um des Willens wegen. Und den Moslems müsste man vielleicht mal wieder so einen Mohammed schicken, aber verstehen Sie mich nicht falsch, einen normalen. Es scheint, das Wohl des Damokles hänge mal wieder am roten Seidenfaden des blutigen Schwertes in seiner eigenen Hand.

Ich trage aus Prinzip nur gestreifte Unterhosen und geringelte Socken. Das bringt zwar auch nichts, hebt aber die Moral.

© 2009 Andreas Thiel